Workout Wednesday

Workout Wednesday: Warum du eine Gummihand „adoptieren“ kannst, einen Rucksack aber nicht

Das ist dir sicher auch schon einmal passiert: du sitzt im Flugzeug, auf einem Gangplatz, und Menschen quälen sich an dir vorbei, manche mit riesigen Rucksäcken am Rücken und immer wieder fährt dir einer damit ins Gesicht. Und du denkst dir: „Mein Gott, sehen diese Menschen nur sich selbst?“

Und da hast du die Antwort: Ja, genau, sie sehen nur sich selbst und den Rucksack eben nicht.

Hingegen können Menschen eine Gummihand, die definitiv nicht zu ihnen gehört, die sie aber sehen und die an der Stelle liegt, wo ihre eigene Hand eigentlich liegen sollte, tatsächlich mit ihrer eigenen verwechseln…

1998 gab es Untersuchungen von Matthew Botvinick und Jonathan Cohen, die genau diese Versuchsanordnung hatten:

Probanden wurden an einen Tisch gesetzt, ihre eigene rechte Hand außerhalb ihres Blickfelds unter dem Tisch, dafür eine sehr realistisch anmutende Gummihand auf dem Tisch. Diese Gummihand wurde mit einem Pinsel „gestreichelt“ – was die Probanden sahen – und gleichzeitig wurde unter dem Tisch die eigene ebenfalls von jemandem mit einem Pinsel im synchronen Tempo gestreichelt.

Das Ergebnis: nach einiger Zeit hatten die Versuchspersonen den Eindruck, die Gummihand gehörte zu ihnen. 2007 baute eine andere Forschergruppe das Experiment noch aus und zeigte, dass die Gummihand so sehr „adoptiert“ worden war, dass eine ängstliche Reaktion festgestellt werden konnte, sobald sie mit einem scharfen Gegenstand „bedroht“ wurde.

Das bedeutet, dass wir, um Dinge (die außerhalb unserer selbst sind) zu uns gehörig empfinden zu können, eine taktile Wahrnehmung benötigen UND sie sehen müssen. Und deshalb haben wir tatsächlich kein Gefühl für einen Rucksack, den wir zwar am Rücken spüren, ihn aber eben nicht sehen. Es gibt keine Verbindung zwischen ihm und uns. Es ist, als ob er gar nicht da wäre – und genauso verhalten wir uns auch. Außer, wir machen ihn uns konstant bewusst. Von selbst (wie mit der Gummihand) passiert das aber nicht.

 

Was dir das nun bringen soll?

Vielleicht einfach etwas mehr Verständnis für Menschen, die dich in engen Flugzeuggängen mit ihren Rucksäcken anrempeln… Oder den Anreiz zu einer Übung in eigener Körperwahrnehmung. Was von deinem Körper bzw. dem, was du an dir trägst, entgeht dir, weil du es schlicht und einfach nicht siehst?

 

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