Du kennst das vielleicht: x verschiedene Themen auf dem Tisch und im Kopf… und die Zeit läuft. Du weißt gar nicht, wohin du zuerst schauen und was du zuerst machen sollst, und gleichzeitig bist du einfach schon wirklich müde. Der Tag könnte 100 Stunden haben und du wirst trotzdem nicht fertig, obwohl du im übertragenen Sinne bereits völlig fix und fertig bist.

Bis vor ziemlich genau drei Jahren hatte ich immer wieder solche Stress-Anfälle. Ich wollte so viel tun und immer war ich zu langsam!

Und dann nahm ich an einem Schauspielseminar an der „Schule des Theaters“ in Wien teil – ich kann dir nicht einmal mehr sagen, um welches Thema es sich drehte, ich weiß nur, dass es Anfang/Mitte Juli war und ich bereits am berühmten Zahnfleisch ging. Ich war damals wirklich sehr fragil, kein bisschen weiter belastbar und das sind dann ja auch die Zeiten, in denen man endlich etwas für sich selbst tut. Die Trainerin war damals die großartige Gabrielle Scharnitzky, die zuletzt in der US-Serie Treadstone zu sehen war.

Und als wir nach einem langen Seminartag auch schon etwas ausgepowert zum Abschluss kamen und ich meinte, dass ich jetzt noch arbeiten werde müssen und eigentlich genau noch NULL Energiereserven übrig hätte, meinte sie:

„Zeit ist eine Illusion. Du hast für alles Zeit, wenn du im Hier und Jetzt bist.“

Und es war, als ob ein innerer Schalter der Erkenntnis umgefallen wäre.

Was uns Stress macht, ist nur der Blick in die Zukunft. Der Blick auf das, was noch zu tun ist, die Deadlines, die wir versäumen könnten.

Wenn wir allerdings darauf vertrauen, dass für alles genug Zeit vorhanden ist, dann macht sich plötzlich Entspannung breit. Ruhe.

Dann ist plötzlich alle Energie JETZT zur Verfügung. Kein bisschen wird für die Zukunft verschwendet, auf das, was wir JETZT ohnehin nicht kontrollieren können.

Dann sind auch plötzlich alle Sinne im Hier und Jetzt, ganz offen und bereit, Ressourcen wahrzunehmen. Damit wird unsere jeweilige Aufgabe automatisch leichter.

Seit diesem Moment habe ich keinen Stress mehr. Seit diesem Moment fügt sich immer irgendwie eins zum anderen. Ich habe das Gefühl, immer mehr schaffen zu können, bei immer weniger Kraftaufwand.

*

Kleine Anekdote am Rande: Seit Mitte der 90er Jahre steht ein Buch mit dem Titel „Zeit ist eine Illusion“ von Chris Griscom bei mir Regal. Die allererste Erstausgabe im Goldegg-Verlag. Ich habe es bis heute nicht gelesen. Manches muss man sich einfach selbst erarbeiten oder im richtigen Moment von einer guten Lehrerin sagen lassen, damit der Knopf aufgeht.

 

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