Mental Monday

Mental Monday #32: Das Gute am Schlechten

Gestern war wieder einmal Weltfrauentag und meist ist dies ein Tag der Frustration für mich. Wieder einmal bemitleiden wir Frauen uns selbst.

Dafür, dass wir schlechter bezahlt werden.

Dafür, dass wir noch immer die Minderheit in Führungspositionen sind.

Dafür, dass wir im Durchschnitt besser gebildet und trotzdem im Durchschnitt schlechtere Jobs bekommen.

Dafür, dass die Erwerbstätigkeit bei Frauen immer noch mehrheitlich Teilzeitcharakter hat, mit allen Auswirkungen auf Bezahlung und Pension.

Dafür,…

Ich freue mich schon auf den 8.März, an dem es keinen Weltfrauentag mehr gibt, weil es nichts mehr gibt, wofür wir uns bemitleiden müssen.

Bis dahin – und damit dieser Tag schneller kommt – können wir uns für alles, was uns so stört und was sich so lästig hält (der Anteil der weiblichen Führungskräfte geht momentan sogar wieder zurück!), fragen: was ist denn das Gute am jeweils Schlechten?

Was ist denn das Gute daran, schlechter bezahlt zu werden? Gar nichts, wirst du – zu Recht! – sagen. Aber denk nur, was es bedeutet, mit einer schlechteren Bezahlung zufrieden zu sein: keine Auseinandersetzung mit der Führungskraft um mehr/ gleichen Lohn! Willst du gleiche Bezahlung, musst du dich mit Argumenten und mit Willen wappnen, musst auf Widerstand und Abwehr gefasst sein und darauf, den Garten Eden der Harmonie zu verlassen um zu erkämpfen, was dir zusteht.

Was ist das Gute daran, nicht in Führungsposition zu kommen? Keine/ Weniger Verantwortung zu haben. Im schlimmsten Falle sagen zu können: „Ich hab’s nicht entschieden!“ Oder: „Ich hab’s immer schon gesagt, dass das nicht funktioniert. Er hat nicht auf mich gehört!“ Man schläft besser, wenn man weniger Verantwortung hat.

Was ist das Gute daran, dass wir im Durchschnitt besser gebildet sind und trotzdem die schlechteren Jobs ergattern? Gerne und vielleicht sogar leicht zu lernen, heißt nicht, dass ein bestimmter Job wirklich Freude macht. Frauen sind viel sensibler, was ihre Work-Life-Balance anbelangt, achten viel besser auf sich selbst und ihren Körper und sehen viel weniger den Sinn darin, Zeit und Energie in eine Tätigkeit zu stecken, die sie nicht glücklich macht, nur um einen bestimmten Titel vor sich her tragen zu können. Das weitere Gute daran ist, dass Frauen länger leben und dabei auch gesünder bleiben – weil sie eben mehr auf sich selbst hören als Männer. (Da könnten wir uns natürlich wieder fragen, was das Gute für Männer ist, wenn sie nicht/weniger auf sich achten…)

Was ist das Gute an Teilzeit-Arbeit? Mehr Zeit für sich, die Kinder, Beziehungen, Ausbildungen… für alles, was es sonst noch so gibt im Leben eben.

 

Leben heißt, Entscheidungen zu treffen. In jeder Entscheidung ist genauso viel Gutes wie Schlechtes. Es kommt immer nur darauf an, wo deine Prioritäten sind.

Wenn sich also irgendetwas in deinem Leben nicht ändert, obwohl es augenscheinlich schlecht ist, dann frag‘ dich doch, was du gewinnst, indem du dies so aufrecht erhältst. (Und das gilt natürlich für Frauen wie Männer.)

Was das bringt?

Die Loslösung vom Opferstatus. Die Möglichkeit, deinen Status-Quo als Resultat deiner Entscheidungen wahrzunehmen. Als Resultat deiner Prioritäten. Und die Einsicht: DU sagst, wo dein Leben lang geht und was du daraus machst. Du wählst. Wenn du das nicht mehr willst, was jetzt ist, ordne deine Prioritäten neu. Dann werden sich auch andere Handlungsoptionen auftun.

Ja, es geht.


Ich habe übrigens zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts in Österreich (beschlossen am 12.11.1918) eine Doku über Frauen in Führung gedreht. Wenn du sie noch nicht gesehen hast, sieh sie dir hier an. Vorbilder: Geschichten des Gelingens

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